Neue Erkenntnisse vom ASCO 2026

Im Rahmen des NOGGO-Updates Gynäkologische Onkologie wurden die wichtigsten Studien zum diesjährigen ASCO-Kongress vorgestellt. Einige Ergebnisse könnten die Behandlung in Zukunft verändern, andere bestätigen den bisherigen Standard. Die wichtigsten Erkenntnisse im Überblick.

Fortgeschrittener (metastasierter) Brustkrebs

SERENA-6-Studie: Frühzeitiger Therapiewechsel bei ESR1-Mutation

Die SERENA-6-Studie untersucht einen neuen Behandlungsansatz: Statt erst bei einem sichtbaren Fortschreiten der Erkrankung die Therapie zu wechseln, wird bereits auf eine neu auftretende ESR1-Mutation im Blut reagiert. Patientinnen erhielten dann den neuen Wirkstoff Camizestrant in Kombination mit einem CDK4/6-Hemmer.

Die Studienergebnisse zeigen einen deutlichen Vorteil beim progressionsfreien Überleben. Während die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) bereits eine positive Empfehlung ausgesprochen hat, fordert die US-amerikanische FDA noch weitere Daten. Grund dafür ist, dass bisher vor allem Ergebnisse zum progressionsfreien Überleben vorliegen und noch längerfristige Daten abgewartet werden.

REDUSE-Studie: Weniger häufige Gabe von Denosumab ausreichend

Patientinnen mit Knochenmetastasen erhalten häufig Denosumab, um Knochenkomplikationen vorzubeugen. Die REDUSE-Studie zeigt, dass nach einer anfänglichen intensiveren Behandlung eine Gabe alle drei Monate genauso wirksam ist wie die bisher übliche monatliche Anwendung. Für viele Patientinnen könnte dies künftig weniger Arztbesuche und eine geringere Behandlungsbelastung bedeuten.


Früher Brustkrebs – hohes Rückfallrisiko

HER2-positiver Brustkrebs

Neue Daten bestätigen den hohen Nutzen des Antikörper-Wirkstoff-Konjugats Trastuzumab-Deruxtecan (T-DXd) bei Patientinnen, bei denen nach der neoadjuvanten Therapie noch Tumorreste nachweisbar sind. Die Therapie könnte künftig neuer Behandlungsstandard werden, eine Zulassung steht jedoch noch aus. Zudem zeigte die Studie, dass eine gleichzeitige Bestrahlung möglich ist.

HR-positiver/HER2-negativer Brustkrebs

Die lidERA-Studie untersuchte den neuen antihormonellen Wirkstoff Giredestrant (ein sogenannter SERD). Sowohl prä- als auch postmenopausale Patientinnen profitierten von der Behandlung. Welche Rolle Giredestrant künftig neben den bereits etablierten CDK4/6-Inhibitoren spielen wird, müssen weitere Studien zeigen.

Triple-negativer Brustkrebs (TNBC)

Langzeitdaten der KEYNOTE-522-Studie bestätigen erneut den heutigen Behandlungsstandard: Die Kombination aus Chemotherapie und Immuntherapie mit Pembrolizumab verbessert die Heilungschancen unabhängig davon, wie stark der Tumor bereits auf die Vorbehandlung angesprochen hat. Die Zulassung besteht weiterhin unabhängig vom PD-L1-Status. Derzeit untersuchen weitere Studien, ob Patientinnen mit kompletter Tumorrückbildung möglicherweise auf einen Teil der Immuntherapie verzichten können.


Früher Brustkrebs – niedriges Rückfallrisiko

SENOMAC-Studie: Schonendere Operation der Achselhöhle

Die SENOMAC-Studie zeigt, dass bei Patientinnen mit ein bis zwei befallenen Wächterlymphknoten häufig auf eine vollständige Entfernung aller Achsellymphknoten verzichtet werden kann. Das Gesamtüberleben war genauso gut wie nach einer vollständigen Operation. Gleichzeitig traten deutlich seltener Beschwerden am Arm auf und die Lebensqualität war besser.

PREPEC-Studie: Brustrekonstruktion mit Implantaten

Die PREPEC-Studie verglich zwei Verfahren der Brustrekonstruktion nach einer Brustkrebsoperation. Implantate, die vor den Brustmuskel eingesetzt werden (präpektoral), führten langfristig zu einer besseren körperlichen Lebensqualität und höheren Zufriedenheit. Gleichzeitig war jedoch das Risiko für einen Implantatverlust oder eine erneute Operation etwas erhöht.

Fazit

Die diesjährigen ASCO-Daten zeigen sowohl spannende neue Therapieansätze als auch wichtige Bestätigungen bestehender Behandlungsstandards. Besonders interessant ist der Ansatz, Therapien künftig anhand von Blutmarkern früher anzupassen. Gleichzeitig unterstreichen mehrere Studien, dass schonendere Behandlungen – etwa bei Knochenmedikamenten oder Operationen – möglich sein können, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen. Einige der vorgestellten Therapien sind bereits auf dem Weg zur Zulassung, andere müssen zunächst in weiteren Studien bestätigt werden.

Kurzfassungen der vorgestellten Studien sind direkt auf der Seite vom ASCO zu finden (die Seite ist auf Englisch).

In den kommenden Tagen findet ihr aber auch kurze Videos zu den Highlights des ASCO auf unseren Social Media Kanälen!